Verwendung von Grünschnittkompost als Einstreualternative zu Stroh in der Pferdehaltung
- Die bedarfsgerechte und qualitativ hochwertige Versorgung an Futter und Einstreumaterialien stellt einen wesentlichen Kostenfaktor für pferdehaltende Betriebe dar. Kosteneinsparungen bei derDie bedarfsgerechte und qualitativ hochwertige Versorgung an Futter und Einstreumaterialien stellt einen wesentlichen Kostenfaktor für pferdehaltende Betriebe dar. Kosteneinsparungen bei der Einstreuart als auch bei der Arbeitszeit bieten ökonomische Vorteile. Ziel der vorliegenden Untersuchung war es Grünschnittkompost als Alternativeinstreu unter ökonomischen,aber auch tierwohlrelevanter Aspekte zu untersuchen.
Es wurden die Material- und Arbeitskosten von Grünschnittkompost (G) und die mögliche
Mistreduktion im Vergleich zum Einsatz von Stroheinstreu (S) ermittelt. Zudem wurden in
zwei Praxisversuchen die Liegedauer von Pferden auf G und S, sowie die Stallluftparameter
Feinstaub und NH3 in Gruppenhaltung und Einzelhaltung untersucht.
Im Labor wurde G Proben zweier Hersteller auf ihre Wasseraufnahmekapazität (WAK)
untersucht. Hierbei wurde 500 g Frischmasse bei 105 °C für 24 h getrocknet um die Trockenmasse
(TM) zu ermitteln. Im Anschluss wurde die TM-Probe und eine weitere 500 g
Frischmasseprobe, für 24 h in ein Wasserbad getaucht. Im Anschluss wurde die aufgenommene
Wassermenge ermittelt und der von Weizenstroh gegenüber gestellt. Für die Praxisversuche
im Bewegungsstall sowie im Boxenstall, wurden die Liegeflächen 20 cm hoch mit
G eingestreut.
Zur Ermittlung der Wirtschaftlichkeit wurden in beiden Versuchsansätzen die Entmistungszeit
auf S, G und Grünschnittkompost mit Strohauflage (GKS) gemessen. Im Liegeboxenversuch
wurde zusätzlich die Mistmenge gewogen. Im Rahmen des Bewegungsstallversuchs
wurde das Liegeverhalten manuell durch Beobachtung unter Verwendung einer
Überwachungskamera erfasst und dokumentiert. Im Boxenhaltungsversuch mit sechs Pferden
wurde das Liegeverhalten auf S 20 Tage, auf G 14 Tage und auf GKS acht Tage lang mit
einem intelligentem Kamerasystem (Acaris Horse Protector) aufgezeichnet. Die Stallluftqualität
wurde mit digitalen Sensoren gemessen. Feinstaub (Talkpool OY 1700), CO2 und
NH3 (Dräger X node), Lufttemperatur und Luftfeuchtigkeit (Huesker Lubratec Smart Box),
pH-Wert (Dragino S01 Soil Sensor).
Im Labortest zeigten die G-Proben einen WAK Wert von 76-109% auf. Dieser lag deutlich
unter dem WAK Wert von Stroh (392%). Im Bewegungsstallversuch betrug der Aufwand
bei G (13,84 €/m2/Jahr), S (31,62 €/m2/Jahr) und GKS (16,29 €/m2/Jahr). Im Liegeboxenversuch
betrugen die jährlichen Unterhaltskosten für G (728,05 €/Box), GKS
(998,73 €/Box) und S (1.361,12 €/Box). Die gewogene Mistmenge pro Box und Tag lag bei
G (MW = 20 kg; SD = 5,8 kg) unter der erfassten Mistmenge von GKS (MW = 26,3kg;
SD = 11,7 kg) und S (MW = 29,4 kg, SD = 7,0 kg). Durch die Verwendung von G als Ein-
Grünschnittkompost als Einstreualternative in der Pferdehaltung 143
streu, kann die Mistmenge reduziert werden und die Lagerkapazität auf den Festmistplatten
pferdehaltender Betriebe erhöht werden. Auf feuchtem G legten sich nur 34 mal ein
einzelnes Pferd ab (N = 816, MW = 0,05, SD = 0,266) ab. Um die Liegedauer zu erhöhen,
wurde G mit einer Strohauflage (2,7 kg/m2) bedeckt, was das Liegeverhalten verbesserte.
Es legten sich einzelne Pferde deutlich häufiger (n = 186), aber auch Gruppen mit bis zu
sieben Tieren gleichzeitig ab.
Die ermittelten NH3 Werte waren bei G (N = 12.097, MW = 1,12 ppm, SD = 0,63) und
GKS (N = 11.400, MW = 0,95 ppm, SD = 0,49) gering. Der NH3 Wert wurde im Bewegungsstallversuch
nicht ermittelt. Die gemessene Feinstaubbelastung war beim bewässerten G
ebenfalls gering (PM2.5 = 7,9 μg/m³, PM10 = 8,4 μg/m³), erhöhte sich aber mit abnehmender
Einstreufeuchtigkeit zunehmend, was ebenfalls beim GKS (PM2.5 = 17,5 μg/m³,
PM10 = 19,5 μg/m³) zu erkennen war. Im Liegeboxenversuch legten sich die Pferde (N = 6)
bezogen auf die Gesamtaufenthaltszeit in der Box, mit Ausnahme von Pferd Nr. 2 am längsten
auf S oder GKS ab. Die NH3 Werte von S (N = 1380, MW = 0,74 ppm, SD = 0,41), GKS
(N = 764, MW = 0,76 ppm, SD = 0,32) und G (N = 1333, MW = 0,55 ppm, SD = 0,19) lagen
im unbedenklichen Bereich. Die Feinstaubkonzentration lag bei S (N = 1393) in den Partikelgrößen
PM2.5 (MW = 8 μg/m³, SD = 9,2) und PM10 (MW = 9 μg/m³, SD = 10) im niedrigen
Bereich, GKS (N = 753) erreichte die höchsten Werte in den Partikelgrößen PM2.5
(MW = 35 μg/m³, SD = 14,4) und PM10 (MW = 42 μg/m³, SD = 19,8). Die Messwerte von G
(N = 1319) lagen bei PM2.5 (MW = 22 μg/m³, SD = 14) und PM10 (MW = 26 μg/m³, SD = 18,7)
dazwischen.
Abschließend kann G und GKS unter ökonomischen Aspekten als Einstreu empfohlen
werden, solange Feinstaubwerte, mögliche orale Aufnahme und Liegeverhalten beachtet
werden.…


| Author: | Harald Unseld, Madeline Meyer, Linda Thurid Speidel, Dirk Winter |
|---|---|
| URL: | https://www.zuechtungskunde.de/archiv/verwendung-von-gruenschnittkompost-als-einstreux200balternative-zu-stroh-in-der-pferdehaltung,QUlEPTc4NjY1MTMmTUlEPTY5MTU4.html |
| ISSN/eISSN: | 0044-5401 |
| Parent Title (German): | Züchtungskunde |
| Document Type: | Article |
| Language: | German |
| Date of Publication (online): | 2024/02/01 |
| Publishing Institution: | Hochschule Nürtingen-Geislingen |
| Release Date: | 2024/10/18 |
| Date Print Version: | 01.02.2024 |
| Volume: | 2024 |
| Issue: | 2 |
| Page Number: | 13 |
| First Page: | 142 |
| Last Page: | 154 |
| Institutes: | Fakultät Agrarwirtschaft, Volkswirtschaft und Management |
| open access: | nein |
| Licence (German): | Urheberrechtlich geschützt |



