Kritik des Reformbegriffs : unter besonderer Berücksichtigung der deutschen Steuerreformen
- In dieser Arbeit wird die Entwicklung des Reformbegriffs semantisch und historisch betrachtet sowie kritisch untersucht, da dieser aktuell so schillernd und inflationär verwendet wird, dass selbstIn dieser Arbeit wird die Entwicklung des Reformbegriffs semantisch und historisch betrachtet sowie kritisch untersucht, da dieser aktuell so schillernd und inflationär verwendet wird, dass selbst politisch Uninteressierte in Medien und Gesprächen häufig über die verschiedenen Wortvarianten der "Reform" stolpern.Im ersten Teil wird ein Überblick über die Entstehung des Reformbegriffs von der Antike bis ins 20. Jh. gegeben. Hierbei wird festgestellt, dass die Reform in der Spätantike für eine Rückkehr in vergangene Zeiten stand, was von der Kirche übernommen wurde, weshalb der Reformbegriff bis ins 16. Jh. für eine Wieder-belebung eines besseren, früheren Zustands von Kirche, Reich und Gesellschaft stand. In der Reformationszeit wandelte sich die Reform zu einem Begriff, der Hoffnung auf eine Neugestaltung der Gesellschaft ohne Rückbesinnung auf alte Zeiten machte, um sich bis zum Ende des 19. Jh. dann entgültig zu einem Schlagwort zu entwickeln, das zukunftsorientierte Veränderungen versprach.Im zweiten Teil der Arbeit wird eine detailliertere Betrachtung von Entwicklung und Verwendung der Reform anhand der großen deutschen Steuerreformen des 20. Jh. vorgenommen. Dabei wird besonders herausgestellt, ob die Verwendung des Reformbegriffs gerechtfertigt war und wie dies in Politik und Öffentlichkeit gesehen wurde. Die Reform stellte bereits in der Weimarer Republik ein häufig verwendetes, politisches Schlagwort dar, wie die Beispiele der Steuerreformen von 1919/20 und 1925 zeigen. Nach dem 2. Weltkrieg entwickelte sich der Reformbegriff erst zu einem beliebten, positiv definierten Schlagwort, wie es bei der "Große Steuerreform" von 1954 zu sehen ist, und danach sogar zu einem "Modewort", wie im Beispiel der "Großen Steuerreform" von 1975 dargestellt. In den darauffolgenden Jahrzehnten verwandelte sich der Reformbegriff zunächst, wie am Beispiel der dreistufigen Steuerreform von 1986/88/90 gezeigt, in einen "Negativ-Begriff", da die Bevölkerung der ständigen Reformierung überdrüssig wurde. Heute stellt er einen inflationär ver-wendeten Ideologieersatz dar, der nach der öffentlichen Meinung meistens Einschnitte zur Folge hat.In der Schlussbetrachtung wird nach einer kurzen Zusammenfassung der verschiedenen Entwicklungsphasen des Reformbegriffs ausführlich dargestellt, was die möglichen Gründe für diese Entwicklung sind.…


| Author: | Adrian Boos |
|---|---|
| URN: | urn:nbn:de:bsz:950-opus-5068 |
| Advisor: | Harald Enke |
| Document Type: | Master's Thesis |
| Language: | German |
| Date of Publication (online): | 2006/06/06 |
| Publishing Institution: | Hochschule Nürtingen-Geislingen |
| Release Date: | 2006/06/06 |
| GND Keyword: | Reformpolitik; Steuerreform |
| Institutes: | Fakultät Agrarwirtschaft, Volkswirtschaft und Management / Volkswirtschaft (VWL), Diplom/Bachelor |
| DDC-Class: | 300 Sozialwissenschaften / 330 Wirtschaft |


